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Radiofrequenzablation (RFA) von Schilddrüsenknoten

Schilddrüsenknoten sind häufige Nebenbefunde, die im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung zufällig gefunden werden. In etwa 99% der Fälle handelt es sich um gutartige Veränderungen, die keine Beschwerden verursachen und dann auch keiner Therapie bedürfen. Gelegentlich können sie aber Ursache verschiedener Symptome sein, wie z.B.

  • von außen sichtbare Knoten am Hals mit kosmetischen Problemen
  • Druckgefühl am Hals
  • Schluckbeschwerden
  • z.B. Haarausfall oder Unwohlsein, da die Knoten zu einer Über- oder Unterproduktion von Schilddrüsenhormonen führen.

Diese Knoten können dann behandelt werden, wobei je nach Situation verschiedene Verfahren zum Einsatz kommen, wie z.B.

  • eine Schilddrüsen-Operation
  • die Gabe radioaktiver Substanzen bei „heißen“ Knoten oder
  • lokal ablative, „sanfte“ Verfahren, wie die Radiofrequenzablation (RFA).

 

Was ist die Radiofrequenzablation

Die von uns angebotene RFA-Therapie ist eine sichere und besonders schonende Methode zur Erwärmung von Gewebe. Bei der RFA wird unter örtlicher Betäubung ultraschallgesteuert eine dünne Sonde durch die Haut in den Schilddrüsenknoten eingeführt. An der Spitze der Sonde beginnt die gezielte Erwärmung des Knotens auf 60-100°C; durch schrittweise Umpositionierung der Sonde können auch größere Knoten behandelt werden. Erwähnt sei auch, dass bei Knoten, die einen großen zystischen Anteil haben, d.h. viel Flüssigkeit enthalten, ggf. diese unmittelbar vor dem Eingriff abpunktiert werden müsste, um die Erfolgsaussichten der Ablation auf diese Weise zu erhöhen. Während der Ablation kann es kurzzeitig zu leichten Schmerzen kommen, die auch in den Kiefer ausstrahlen können. Nach erfolgreicher Behandlung wird das abladierte Gewebe innerhalb weniger Wochen oder Monate vom Körper abgebaut. Der Schilddüsenknoten schrumpft, in den ersten drei Monaten nach der Behandlung im Mittel um etwa 50%, die Beschwerden werden dadurch gebessert. Je nach Situation können ggf. auch zwei oder auch drei Eingriffe notwendig sein. Das übrige Schilddrüsengewebe bleibt funktionstüchtig, die Einnahme von Schilddrüsenhormonen ist für gewöhnlich nicht nötig (außer sie wäre schon vor der RFA notwendig gewesen) und in der Regel bleibt auch keine Narbe zurück (im Gegensatz zu operativen Eingriffen).

 

Wie ist der Ablauf des Eingriffs?

1. Die Vorbereitung

Da im Gegensatz zu operativen Eingriffen bei der Behandlung mittels RFA allerdings keine Gewebeprobe entnommen werden kann, muss zuvor gesichert werden, dass es sich um einen gutartigen Knoten handelt. Dies geschieht durch

  • eine sonographische (Ultraschall-)Untersuchung
  • laborchemische Untersuchungen (z.B. Kalzitonin-Bestimmung)
  • eine Gewebeprobenentnahme durch eine feine Nadel unter sonographischer Steuerung.

Am Behandlungstag sollten Sie nüchtern bleiben. Die Einnahme Ihrer üblichen Medikamente mit etwas Flüssigkeit ist erlaubt. Allerdings sollten Medikamente, die die Blutungsneigung beeinflussen, mit dem behandelten Arzt abgesprochen werden. Dies sind z.B. Marcumar, Falitrom, Xarelto, Pradaxa, Eliquis, Lixiana,, Plavix, Clopidogrel, Brilique, Efient, aber auch Aspirin und verwandte Präparate. Ansonsten ist eine besondere Vorbereitung zur Radiofrequenzablation nicht erforderlich.

2. Die Radiofrequenzablation (RFA)

Zur Behandlung erfolgt eine örtliche Desinfektion, anschließend eine örtliche Betäubung (bitte deshalb Allergien z.B. auf Desinfektionsspray oder Lokalanästhetika angeben). Während des Eingriffs sollten Sie den Kopf im Liegen etwas überstreckt halten und sich nicht bewegen. Die Platzierung der Sonden erfolgt unter Ultraschallsicht schonend, -ein- oder mehrfach-; die Sonde ist dabei nicht dicker als zum Beispiel eine Kanüle zur Blutentnahme. Der Eingriff dauert etwa eine halbe Stunde und ist wenig schmerzhaft.

3. Nach dem Eingriff

Nach der Radiofrequenzablation müssen Sie für ca. 1 Stunde Ruhe einhalten, in dieser Zeit werden Blutdruck und Puls gemessen und die Einstichstelle auf Nachblutungen kontrolliert. Um Sie vor Nachblutungen zu schützen, sollten Sie die Punktionsstelle für ca. 30 Minuten mit dem Finger komprimieren. Sie sollten 24 Stunden keine schweren körperlichen Tätigkeiten verrichten. Aufgrund der örtlichen Betäubung dürfen Sie selbst nach der Behandlung kein Auto fahren.

 

Gibt es Risiken?

Die Radiofrequenzablation ist risikoarm. Trotz größter Sorgfalt kann es in seltenen Fällen dennoch zu Komplikationen kommen, die in Ausnahmefällen auch lebensbedrohlich sein können.

  • Nach der Punktion kann kurz-dauernd bis wenige Tage ein Spannungsgefühl oder lokaler Druckschmerz auftreten. Ungefährliche Nebenwirkungen sind Schmerzen, die leicht mit Schmerzmittel behandelt werden können.
  • Abhängig von der Schilddrüsengröße kommt es durch das Absterben der Schilddrüsenzellen auch zu Fieber. Diese Beschwerden halten im Allgemeinen nur wenige Tage an. Manchmal entsteht auch ein Bluterguss an der Punktionsstelle, der wieder verschwindet.
  • Als verfahrensabhängige Komplikationen könnten thermische Schäden (Verbrennungen, Nekrosen) vor allem im Hautbereich sowie an den umliegenden Organen auftreten.
  • Selten kann es durch die Punktion der Läsion zu akuten oder bleibenden Nebenwirkungen oder Schädigungen wie Bluterguss, Verletzung von benachbarten Organen und Blutungen, Fistelbildungen, allergische Reaktionen, Herz- und Kreislaufreaktionen, Infektionen (wundinfektion, Abszess, Entzündung der Schilddrüse) oder Nervenschädigungen kommen, die eine nachfolgende Operation, intensivmedizinische Maßnahmen und Folgeeingriffe notwendig machen können.
    • Bei Schilddrüsenknoten in der Nähe des Stimmbandnerven (Nervus laryngeus recurrens) kann es zu Stimmbandlähmungen kommen, die auch bleibend sein können.
    • Der Zwerchfellnerv (Nervus phrenicus) kann verletzt werden. Der Zwerchfellnerv ist ein Nerv, der aus dem Halsbereich entspringt und u.a. das Zwerchfell innerviert. Bei einer Verletzung des Zwerchfellnervens erschlafft auf der entsprechenden Seite das Zwerchfell und es entsteht dann ein sogenannter Zwerchfellhochstand, welcher mit starken Atembeschwerden verbunden sein kann.
    • Sehr selten kann es auf der behandelten Schilddrüsenseite zu einem Horner-Syndrom kommen, mögliche bleibende Schäden wären eine Pupillenverengung (Miosis), ein Herabhängen des Oberlides (Ptosis) und ein gering in die Augenhöhle eingesunkener Augapfel (Enophthalmus).
    • Einzelne Gefäßwandablagerungen („Plaques“) können durch die RFA-Sonde aufbrechen („Ruptur“). Diese Ablagerungen können ein Blutgerinnsel bilden. Dieser kann dann mit dem Blutstrom bis in die Hirngefäße gelangen. In den Hirngefäßen kann ein Blutgerinnsel die Durchblutung stören, es kann auch das Hirngefäß verstopfen. Es entsteht ein Schlaganfall. In Abhängigkeit von dem betroffenen Hirngefäß können Lähmungserscheinungen einer oder mehrerer Gliedmaßen auftreten. Sprach- oder Sprechstörungen, Einschränkungen des Sehfähigkeit, Gefühls- und Schluckstörungen und Schwindel können ebenfalls auftreten. In schweren Fällen kann es zu Bewusstseinsstörungen kommen. Oft bleiben schwere Hirnschäden zurück.
    • Durch die RFA-Sonde kann die Gefäßwand der Halsschlagader verletzt werden. In schweren Fällen bildet sich eine Aufspaltung zwischen der inneren und mittleren Wandschicht („Karotisdissektion“). Als Folge kann es zur Verengung bzw. zum Verschluss des Gefäßes oder zu Thrombenbildung kommen, die beim Patienten zu Durchblutungsstörungen bis hin zum Schlaganfall (s.o.) führen können. In anderen Fällen kann es bei gleichzeitiger Verletzung der Halsvene zu einer Verbindung zwischen Arterie und Vene kommen („arterio-venöse Fistel“).
  • Nach Radiofrequenzablation kann es zu Vernarbungen im Halsbereich kommen, bei zukünftigen notwendigen Operationen kann daher das Operationsrisiko für Verletzungen (Gefäße, Nerven und Weichteile) erhöht sein.
  • Sehr selten kann es zur Ausbildung einer Immunthyreopathie vom Typ M. Basedow kommen, dabei kann eine endokrine Orbithopathie entstehen. Die endokrine Oribitopathie kann zu hervorstehenden Augapfel (Exopthalmus) führen.
  • Bei sehr großem Schilddrüsenvolumen kann es nach der Behandlung aufgrund der Volumenabnahme zur Hautfaltenbildung kommen.

 

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Die Radiofrequenzablation wird derzeit wissenschaftlich geprüft. Die bisherigen Ergebnisse zeige, dass nach erfolgreicher Behandlung das abladierte Gewebe innerhalb weniger Wochen oder Monate vom Körper abgebaut wird. Der Schilddüsenknoten schrumpft, in den ersten drei Monaten nach der Behandlung im Mittel um etwa 50%, die Beschwerden werden dadurch gebessert. Je nach Situation können ggf. auch zwei oder auch drei Eingriffe notwendig sein. Das übrige Schilddrüsengewebe bleibt funktionstüchtig, die Einnahme von Schilddrüsenhormonen ist für gewöhnlich nicht nötig (außer sie wäre schon vor der RFA notwendig gewesen) und in der Regel bleibt auch keine Narbe zurück (im Gegensatz zu operativen Eingriffen).

 

Wie wird nachbeobachtet?

Treten in den ersten Tagen nach der Behandlung Befindlichkeitsstörungen auf, informieren Sie bitte Ihren behandelten Arzt oder die Notaufnahme der Klinik oder Ihren Hausarzt. Der Verlauf wird durch Sonographie („Ultraschall“), Laborparameter, ggf. Computertomographie (nativ), und Schilddrüsenszintigraphie beobachtet. Üblicherweise erfolgt eine dreimonatige Kontrolle. Einzelheiten sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

 

Informationsmaterial

 

Fragen und Kontaktmöglichkeit

In einem ersten Schritt müssten Sie uns folgende Information zukommen lassen:

  • welche Beschwerden bei Ihnen bestehen
  • Bilder einer sonographischen (Ultraschall-)Untersuchung der Schilddrüse
  • einen Bericht über laborchemische Untersuchungen (kleines Blutbild, Blutgerinnungsparameter, Kalzitonin-Bestimmung)
  • den Bericht einer Gewebeprobenentnahme aus dem Schilddrüsenknoten
  • eine Telefon-Nummer, unter der wir Sie zwecks Vorgespräch und Behandlungsterminvereinbarung erreichen.

Wenn wir die Unterlagen komplett von Ihnen haben, werden wir uns dann mit Ihnen zwecks Klärung offener Fragen und Terminvereinbarung in Verbindung setzen.

 

Bitte schicken Sie diese an folgende Adresse:

HIFU-Bonn
z. Hd. Prof. Dr. Holger Strunk
c/o Radiologische Universitätsklinik Bonn
Sigmund-Freud-Str. 25
53127 Bonn

Gerne können Sie uns auch vorher per Mail (kontakt-hifu@ukb.uni-bonn.de) kontaktieren:

 

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